350 Jahre blauer Dunst in Augsburg. Tabakspfeifen aus archäologischen Ausgrabungen (2009)

Die Studioausstellung der Stadtarchäologie im Römischen Museum streift die Kulturgeschichte des Tabaks ebenso wie die Auseinandersetzungen über den Tabakkonsum im 17. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht die Tabakspfeife, die nicht nur für Neuzeitarchäologen ein hochinformativer Gegenstand ist.

Sie ist ein wichtiges Verbindungsstück zwischen der Archäologie, Ethnologie, Kultur- Handwerks- und Drogengeschichte. Tabakspfeifen wurden vom 17. Jahrhundert in großen Mengen hergestellt und nach Abnutzung oder Beschädigung weggeworfen. So findet man sie in fast jeder Siedlungsschicht aus diesem Zeitraum. Aussehen und Verzierungen der massenhaft hergestellten Pfeifen änderten sich oft sehr schnell, und die Marken und Namensstempel auf den Pfeifen geben oft Auskunft über ihre Herkunft. Die meisten der in Augsburg gefundenen Pfeifen wurden aus Holland importiert, wo sich besonders die Stadt Gouda zum weltweit führenden Zentrum der Pfeifenindustrie entwickelt hatte. Später gelangten vor allem Produkte der Pfeifenbäcker aus dem Westerwald nach Augsburg.

Auf nahezu jeder Ausgrabung in der Stadt findet man Tabakspfeifen aus Ton. Sie zeugen von einer neuen Sitte, die sich im 17. Jahrhundert vor allem durch die Soldaten des Dreißigjährigen Kriegs in ganz Europa ausbreitete. Zum „Tabak trinken“, wie das Rauchen im damaligen Sprachgebrauch hieß, brauchte man eine Pfeife die in aller Regel aus Ton hergestellt war.

Im Jahr 2005 fanden Augsburger Stadtarchäologen am Jakobsplatz unter großen Mengen der weggeworfenen Stücke sehr teure Reliefpfeifen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Sind schon die Pfeifen mit dem Wappen des Königreichs Preußen für eine Stadt wie Augsburg sehr außergewöhnlich, so sind Pfeifen mit den Porträts von Mitgliedern des niederländischen Fürstenhauses Oranien eine absolute Seltenheit.

Mit der Benutzung dieser Pfeifen brachten Raucher in den Niederlanden ein eindeutiges politisches Bekenntnis für dieses Fürstenhaus zum Ausdruck, das in der schwäbischen Reichstadt Augsburg mehr als ungewöhnlich war. Zur Ausstellung erscheint ein Begleitheft zum Preis von 2 Euro.

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350 Jahre blauer Dunst in Augsburg. Tabakspfeifen aus archäologischen Ausgrabungen

Römisches Museum, Dominikanergasse 15

Dienstag: 10 bis 20 Uhr
Mittwoch bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr

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Do, 25. Januar 2018, Kunst und Kultur kompakt: Liebling des Monats

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